Frank “Noch amal”

Immerhin. Frank Stronach schaffte es in der “Pressestunde” erstmals, in einem TV-Studio nicht auszurasten, keinen Journalisten zu duzen und keinem Fragesteller wirtschaftliche Ahnungslosigkeit vorzuwerfen. Auf konkrete Sachfragen gab es kaum sinnvollen Antworten, dafür “noch amal” die unbeirrbare Predigt seines eigengestrickten politischen Weltbildes. Aus der Sicht der Frankisten wohl ein gelungener Auftritt. Trotz Skurrilitäten wie die Antwort auf seine Meinung zur gemeinsamen Schule der 10 bis 14jährigen: “Das ist wie beim Fussball, man kann nicht 10jährige und 14jährige zusammenmischen.”

 

 

 

 

Kommentare

  1. UndSieBewegt

    Sehr geehrter Herr Peter Rabl, ich teile ihre Beobachtungen und Einschätzungen. Ein Nuance meinerseits.

    Der Wahlkampf der reichsten Parteien Europas ist im vollem Gange. Ich schätze das dafür 40 Million Euro umgesetzt werden.

    In der Pressestunde (ca. Minute 32) spricht Frank Stronach von 20 bis 25 Millionen Euro eigenem Geld. Auf der Website des Rechnungshofes sind Parteispenden von Herren Stronach an das Team Stronach für Österreich in einem Ausmaß von 9.469.000 Euro aufgelistet. Fritz Dittlbacher bohrt und fragt ob nach April keine Spenden sondern Darlehn an die Partei fließen. Stronach: “Aus technischen Gründen wurden vielleicht … Sachen, Darlehn. Aber du kriegst nie ein Geld zurück.“

    Sosehr ich das Transparenz-Gesetz begrüßt habe so sehr war dessen Umgehung absehbar.
    Frank Stronach spendet jetzt nicht sondern gibt Darlehn. Bei der ÖVP spießen die diversen Vereine wie „Anliegen für Österreich“ (Obmann ist der ehemaligen Orange-Chef Michael Krammer) aus dem Boden.
    Bei den anderen relevanten Mitbewerbern ist es nur noch nicht bekannt.

    Darlehn:
    In den 90er Jahren des vorherigen Jahrhunderts wurde bekannt das die Sekretärin einer Gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft 14 Wohnungen besitzt. Da die Genossenschaft so bauten das die Förderungsmittel nicht ausreichten mussten für den Restbetrag Bankkredite aufgenommen werden. Es war die Aufgabe dieser Sekretärin die Kreditgeber zu bestimmen. Mit der Vergabe nahm sie dann bei der Bank für sich einen separaten Kredit. Nur bezahlte sie nie eine Rate und die Bank mahnte nie.

    Vereine:
    Ein Bauunternehmer muss oft einen Gutachter beschäftigen. Gewinnt er mit dem Gutachten einen Prozess bezahlt der Gegner das Honorar. Aber neben dem Honorar sind Gefälligkeiten nützlich.
    Eine steuerlich absetzbare Betriebsausgabe wie der Besuch seiner Mitarbeiter an den Seminaren des Gutachters. Der Bauunternehmer meldet eine Anzahl (oft über 10) von Mitarbeiter (oft ohne das der Mitarbeiter davon weiß) bei diesen kostenpflichtigen Seminaren (die in der Regel mehre Hundert Euro pro Person kosten) an. Es kommt keiner aber es wird bezahlt und abgesetzt.

    Nochmals ich begrüße außerordentlich das Transparenz-Gesetz. Stelle aber die Frage war den Verfassern diese Umgehungsmöglichkeiten nicht bewusst? Jedes Ministerium ist Verfasser denn sie werden aufgefordert zum Gesetzesentwurf Stellung zu nehmen.

    P.S. Finde ihre Initiative mit dem Blog sehr gut. Viel Erfolg!

  2. Johann Hochstöger

    “Wer das Geld hat, hat das Sagen”

    Treffender als mit seinem Sager hätte Stronach nicht eingestehen können zwar ein erfolgreicher Unternehmer aber lausiger Politiker zu sein, der regelmäßig vorlebt Schwierigkeiten nicht nur mit demokratischen Spielregeln und Strukturen sondern selbst banalen Benimmregeln zu haben.

    Blöd halt das zu verhandelnder Interessensausgleich wesentlicher Bestandteil funktionierender Demokratie ist. Mühselige Kompromisse zu erzielen die keine in Zahlen gegossene Gewinne abwerfen zählt selten zu den Tugenden ungeduldiger Industriebosse. Regeln, ausser die Eigenen, zu akzeptieren schon gar nicht. Sozialpartner wie Gewerkschaften werden schnell als hinderlich gebrandmarkt.

    In Stronachs Betrieben gab es keine und nun zu erklären das sie ihre Berechtigung haben war selbst in den eigenen Reihen nicht durchgängig kommuniziert.

    Rabiate Anhänger des ungehemmten Marktes mögen dies sympathisch oder gar als messianische Fügung einstufen das sich ein erfolgreicher Konzernboss aus der Deckung wagt und sein Handlungsmodell auf die ganze Republik schablonieren möchte.

    Gut florierende Wirtschaft ist zweifelsohne wichtiger Bestandteil des Staatsfundamentes. Wird ihr Anteil und Einfluss an der demokratischen Mixtur laufend erhöht schwächt dies die Stabilität des ganzen Hauses. Zudem immer mehr Menschen erkennen und spüren das es längst nicht “allen gut geht wenn’s der Wirtschaft gut geht”.

  3. Frank-furt

    Keine Ideen, keine Ziele und vor allem keinerlei Plan – nicht einmal einen populistischen.

    Nach einer Stunde Live-Interview bleibt der Zuseher abermals ratlos zurück. 9 Mrd will er will er weniger ausgeben, mit “Einsparungen bei der Verwaltung” und mit Krankenkassenzusammenlegungen. – Mehr fällt ihm nicht ein. Dafür immer ein “alles durchleuchten”, “alles genau anschauen”, sobald er nicht mehr weiter weiß – und das passiert oft.

    Waren seine Auftritte anfangs zumindest eine Show, war diese Pressestunde nur mehr langweilig. Prinzipiell wird es wenige Stronach-Wähler geben, die sich die Pressestunde antun. Und nach diesem Auftritt werden es nochmal weniger sein. – Frank kann nichts bieten, außer seine Utopie vom Tellerwäscher zum Milliardär.

    Der “kleine Mann” wird nicht auf Dauer annehmen, dass wenn ein Milliardär vom Sparen und von Steuerreform redet, er die selben Interessen wie man selbst verfolgen kann.

    Allerdings könnte es sein, dass zumindest kurzfristig das Team Stronach mit seinen vielleicht 6 bis 8% den Weg zu einer neuen Regierungskonstellation eröffnet. – Indem es eine Koalition mit Rot/Grün oder Schwarz/Grün eingeht oder zumindest eine Minderheitsregierung temporär unterstützt. – Dann hätte es zumindest einen Beitrag geleistet, das Land ein bisschen vom großkoalitionären Filz zu befreien.

    Wenn man nämlich keinerlei politische Überzeugungen oder Ideologie hat und ständig nur von irgendwelchen diffusen “Werten” spricht, die selbst die eigenen Abgeordneten nicht näher erklären können – dann wird man auch keine Probleme mit irgendwelchen Koalitionsvarianten haben, solangen man ein oder zwei Forderungen (teil)umsetzen kann.

    Schade für die österreichische Parteienlandschaft, aber wie kürzlich auf Twitter zu lesen war: “Unter den Einäugigen ist Stronach der Blinde.”

    Abschließend möchte ich noch alles Gute für den neuen Blog wünschen! – Ist schon in den Favoriten.

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