Diplomatische Scherzchen

Der Spaßfaktor im Wiener diplomatischen Corps wird zweifellos sinken, wenn US-Botschafter William Eacho in den nächsten Wochen in seine Heimat zurückkehrt. Exzellenz müssen eine echte Humorkanone sein. Diesen Eindruck vermitteln zumindest seine Erklärungen zum amerikanischen Geheimdienst-Krieg gegen Europa.

o Dass es bei den breitflächigen Lauschangriffen auf EU-Institutionen, europäische Regierungen und Millionen Bürger auch um Wirtschaftsspionage geht, “weist der Botschafter vehement zurück”, berichtet der Kurier aus seinem Interview. Schließlich gehörten amerikanische Unternehmen Aktionären und nicht dem Staat. “Wenn wir Unternehmen ausspionieren”, zitiert das Blatt den scherzenden Diplomaten, “wem sollten wir dann die Daten liefern, der einen Firma, oder der Konkurrenz”.

Sehr witzig. Als ob nicht zum Beispiel Boeing dringendst an Forschungen und Entwicklungen des großen europäischen Konkurrenten Airbus interessiert wäre. Oder der riesige militär-industrielle Komplex an den Betriebsgeheimnissen der erfolgreichen Waffenproduzenten in Deutschland oder Frankreich. Oder auch die staatliche Wirtschaftspolitik an den Hintergründen und Geheimnissen der europäischen Exportwirtschaft  im Verkehr mit China.

o Dass Botschaften der EU und europäischer Staaten und die interne Kommunikation der europäischen Politik gezielt ausspioniert werden, mag sich der US-Botschafter gar nicht vorstellen. Aber selbst wenn, dann sei das überflüssig: “Wir spionieren unsere Partner nicht aus, das müssen wir nicht. Wir arbeiten ohnehin eng zusammen.”

Klar. Und im Rahmen dieser “engen Zusammenarbeit” werden die europäischen Institutionen gewiss auch vor heiklen Verhandlungen Ihre Strategien und Ziele mitteilen. Werden von sich aus interne Beratungs-Inhalte über geplante Maßnahmen gegen vielfache amerikanische Begehrlichkeiten und Interventionen den lieben US-Freunden offenlegen.

o Schon gar nicht müssen sich die Bürger Europas gegen die flächendeckend Durchleuchtung Ihrer gesamten elektronischen Kommunikation sorgen. Die gesammelten Daten “seien immer nur in ganz konkreten Verdachtsfällen gegen Verbrecher oder Terroristen ausgewertet worden”, zitiert der Kurier brav.

Auch klar. Dass die braven Schnüffler und Späher etwa Erkenntnisse löschen, die für einen Bürger peinlich bis rufschädigend sind und ihn damit für nachdrückliche Einladungen zu vertraulicher Zusammenarbeit aller Art mit den US-Geheimdiensten zugänglich machen, muss man erst glauben wollen. Auch dass Kommunikation, die auf Aktivitäten gegen politische oder wirtschaftliche Interessen der USA hindeutet, im Geheimdienst niemand weiter interessiert.

Schon ziemlich ärgerlich, für wie dumm uns der Botschafter mit seinen Scherzchen zu halten scheint. Ziemlich erstaunlich, dass seinem Kurier-Interviewer darauf gar keine kritischen Gegenfragen zur Sache einfallen wollten.

Aber vielleicht sieht der die Riesen-Affäre auch so wie sein Kollege im Kurzkommentar auf Seite 1. Der hält den tapferen Whistleblower Snowden bloß “für einen Schulabbrecher auf Weltverbesserungstrip”.

 

Kommentare

  1. Johann Hochstöger

    Die US-Humorkanone Eacho erfreut sich bester Gesellschaft. Organisierte Verhöhnung der Bürger inklusive deren Grundrechten scheint sich zum Wettbewerb westlicher Demokratien zu mausern.

    Das sich die USA herablassen einem erlauchten Kreis von Experten aus den 28-EU-Staaten ihre niederträchtige Ausspähaktion zu erklären interpretierte die derzeitige EU-Ratsvorsitzende, Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite als „Sie sind bereit zu kooperieren”.

    Angesichts solcher realer Befundungen führender EU-Politiker können sich Karl Valentin, Qualtinger und Farkas ihr Lehrgeld auszahlen lassen.

    Und zum Drüberstreuen können die Verhandlungen über eine große Freihandelszone von USA und EU, nach Vorstellungen dieser Person, am Montag wie geplant beginnen.

    Wozu unter solchen rechtsstaatlichen Vorzeichen noch verhandeln? Die USA sollen ihr Ökonomie-Diktat an die koloniale Aussenstelle Brüssel übermitteln und die drei Affen “Nix hören, nix sehen, nix wissen” sollen abnicken.

  2. I bins

    Der war zu lange in Österreich und hat etwas Farbe unserer Politiker und deren Kultur angenommen die vor Spassvögeln und schlechten Scherzen nur so strotzt.

  3. Scherzanruf

    Ach nicht vergessen sollte man den nächtlichen Scherzanruf des Unterhaltungskünstlers Eacho im österreichischen Außenministerium.

    Da hat er ja angeblich gefordert, dass österreichische Behörden gefälligst die Präsidentenmaschine von Morales durchsuchen sollen – weil sich Snowden darin befindet. Den man anschließend natürlich unverzüglich an die USA ausliefert. Inkl großzügigem Angebot, demnächst einen Haftbefehl nachzureichen…

    Man stelle sich vor, der österreichische Botschafter in den USA ruft in der Nacht bei Kerry an und drängt ihn, zB die französische Regierungsmaschine am Boden festzuhalten und zu durchsuchen, weil Ö glaubt, Hollande könnte Heltmut Elsner zur Flucht verhelfen. – Einen Haftbefehl würde man dann gegebenenfalls nachreichen…

  4. Der Realist

    interessant wäre schon, wie sich unsere Volkzertreter im Ernstfall verhalten würden, mit “”Ernstfall” meine ich, Snowden landet wirklich in Schwechat. Die diplomatischen Verrenkungen wären garantiert zirkusreif.

  5. Johannes Schnetzer

    Herr Rabl,
    bin sehr froh über Ihren Blog,
    sie sprechen mir aus der Seele.

  6. Wolfgang Ullram

    Bravo Hr. Rabl!

    Die meisten ö. Medien verhaloten sich wie die Europäischen Regierungen… devot…m ja nicht die amis zu verärgern.

    Ich würde dem Hr. Eacho mal gerne interviewen!
    Zb…was die USA ö androhen würde, wenn der ö. Geheimdienst (muss mich konzentrieren wenn ich dieses Wort ohne Sauerstoffmangel schreiben will) die US Botschaft oder eine US Regierungsstelle so verwanzen würde wie die Amis es mit der EU gemacht haben.

    Wieso die USA sich anmassen, die Daten der freien Welt abzusaugen, und das auch noch frech mit “habts euch nicht so” herunterzuspielen.

    Öst. würde wahrscheinlich von den rednecks zerbombt werden, wenn ö. den Internetverkehr, mails und Briefpost sacnnen und speichern würden, neben der kontrolle der Daten der US regierung und aller Telefonate in Washington DC.

    Oder wenn ö. alle US Banktransaktionen haben will, so wie die KKK regierung die Swift Daten haben wollte und auch kriegt (wieso gabs da keine Volksabstimmung?)

    und warum auch einseitig wir alle Flugdaten von Flügen innerhalb Europas an die NSA
    N azi like
    S urveillance by
    A mericans
    sendet?

    Dass alle Kreditkartenfirmen USA gehören und die Daten ohnehin dort landen…

    Und zu guter letzt…

    Wieso geht der Internetverkehr : deutscher PC surft deutsche Seite auf deutschem Server gehostet an- über die USA????

    Neben dem Eacho würde ich das gerne auch

    Rompoy
    Baroso
    Feigmann
    Schwindlegger

    unf KLUG fragen….

    Es ist genug…..

    Wann wird endlich ein Communique von der eu und allen eu regierungschefs herausgegeben, wo drinsteht:

    Alle OVERALL Speicher von Daten die aus Europa stammen ohne an die USA gerichtet werden sofort aufzuhören haben und alle gespeicherten Daten sofort gelöscht werden!

    Alle Einseitigen Datenlieferungen ohne Gegenleistung (Siehe oben) sofort und für immer eingestellt werden.

    Sofortiger Start eines Einreiseprogrammes Bilateral – kein Visafreier Reiseverkehr mehr von amis in die EU —wenn nicht der Zwang an Datenlieferungen – einseitig, what else, aufhört.

    Ablöse des Internetverkehrs innerhalb Europas über America durch Europäisches Netz

    ICAN den Amis wegnehmen und unter den UN Sischerheitsrat stellen.

    Alle US Firmen intensiv untersuchen, die in Europa sind und mit Prism und Konsorten zu tun haben.

    So das wären mal die Sofortmassnahmen

    fortsetzung folgt

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