Auch Unintelligenz sollte Grenzen haben

“Zeiten fokussierter Unintelligenz” nannte der Wiener Bürgermeister Häupl einmal Wahlkämpfe – by the way im Bedarfsfall  selbst ein einschlägig erfolgreicher Wahlkämpfer. Was die Koalitionsparteien jetzt aber an zusätzlichen Arbeitsplätzen versprechen, bewegt sich im Bereich grenzenloser Unintelligenz.

Eine kleine Erinnerung zum Einstieg: Seit Jahren müssen die Wirtschaftsforscher ihre Prognosen für Wirtschaftsentwicklung und damit Beschäftigtenrate praktisch vierteljährlich korrigieren. Leider meist nach unten, aber das nur nebenbei. Die Halbwertszeit von Wirtschaftsprognosen bewegt sich im Wochen-Bereich.

Nicht beim Obmann der Wirtschaftspartei ÖVP. Exakt 420.000 zusätzliche Arbeitsplätze verspricht Wahlkämpfer Spindelegger bis 2025. Kein Tippfehler: Das soll eine exakte Zielvorgabe für einen nach allen ökonomischen Kriterien unübersehbaren Zeitraum von 12 Jahren sein.

In seiner überaus kühnen Ansage stützt sich Spindelegger auf ein Program einer  ÖVP-nahen Initiative “Unternehmen Österreich 2025″ . 700 Maßnahmen haben die Experten der Initiative als Voraussetzung für die neuen Arbeitsplätze erarbeitet, und “die sind als Ganzes zu sehen, Rosinenpicken funktioniert nicht”. Sagt der mäßig prominente Ökonom und Initiativen-Sprecher .

Die Maßnahmen klingen in Summe zwar vernünftig. Sie würden allerdings eine geradezu revolutionäre Reform staatlicher und wirtschaftlicher Strukturen bedeuten, die weit über alle längst vorliegenden und seit Jahren von der Politik ungenutzt liegen gelassenen Reformpakete hinausgeht.

“Entfesselung” ist Spindeleggers neues Wahlkampf-Vokabel. Entfesselung von logischen Grenzen jeglicher Realisierbarkeit und Planungssicherheit  wollte man als Wähler bisher nicht darunter verstehen.

Dieses ökonomische Vodoo der angeblichen Wirtschaftspartei ÖVP wird nicht besser angesichts der kühnen Prognosen der roten Infrastrukturministerin Bures. Wieder verdächtig exakt 19.000 zusätzliche Jobs pro Jahr verspricht sie bis 2020 mittels ebenso drastischer wie unrealistischer Steigerung der Forschungsausgaben.

Dass sich für diese windige Berechnung der Chef des WIFO als Experte hergibt, zeugt nur einmal mehr vom Elend der zunehmend von staatlicher Finanzierung abhängigen Wirtschaftsforschungs-Institute.

Kommentare

  1. I bins

    Die Bürger in diesem Land würden gerne wieder etwas positives willkommen heissen. Gepaart mit dem Glauben an das gesprochene Wort werden allen Blendern die Ohren geöffnet. Um den eigenen Wünschen und Hoffnungen nachzuhelfen wählen wir Retter. Um diesen Status aufrecht zu erhalten werden wir immer wieder überdimensional positives hören jedoch nicht erleben. Wir könnten es ändern. Mit einer Stimme belohnen wer vor der Wahl gutes getan und geleistet hat und es somit verdient hat. Und jetzt wird es schwierig.

  2. Der Realist

    Schön langsam sollten es eigentlich alle “Experten” kapiert haben, langfristig machen nur jene Arbeitsplätze Sinn, die auch wirklich gebraucht werden. Da in Zeiten der “Krise” das Geld knapp ist, werden auch die bisher bei den Politikern so beliebten Alibiaktionen zur Schaffung oder Erhaltung von Arbeitsplätzen zunehmend unfinanzierbar. Dass die “Experten” ihre Wirtschaftsprognosen laufend korrigieren müssen ist auch klar, ständiges Wirtschaftswachstum ist bei sinkender Kaufkraft einfach nicht möglich. Das System wurde in den letzten Jahrzehnten derart ausgereizt, dass kein Spielraum für diverse Tricks mehr vorhanden ist. Der Schlachtruf der Genossen von der Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen ist mittlerweile total ausgelutscht, nur das Faymandl hat dies noch nicht realisiert. Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist derzeit, es ist ja Wahlkampf, wieder ein beliebtes Thema unserer Volkszertreter. Wenn Jugendliche keine Arbeit haben ist das schlimm, wenn ein 40-Jähriger Familienvater keine Arbeit hat ist es genauso schlimm. Ich warte allerdings schon lange auf eine Erklärung der “Experten” die von einem Pensionsantrittsalter so um die 70 schwärmen, wie sie dann auch die Arbeitsplätze für die Jungen sichern wollen. Unsere Politiker haben ja immer gute Ideen, leider sind sie in der Praxis dann weniger tauglich, weil meistens kein Geld da ist.

  3. Klaus Woltron

    Bis 2025 Prognosen zu erstellen, die über kosmische Rhythmen hinausgehen zeugt von einer Position im Brennpunkt der Unintelligenz.

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