Schleichende Enteignung

Selbstgestrickte oder kühn interpretierte Statistiken, verbreitet von Interessensvertretungen, sind bekanntlich mit Vorsicht zu genießen. So auch die jüngste Alarmmeldung der Arbeiterkammer: die Produkte des täglichen Bedarfs seien übers Jahr um 8,2 Prozent teurer geworden . Die AK bastelte sich für diese Berechnung einen eigenen Warenkorb mit 40 Artikeln. Viel wichtiger wäre, wenn sich die Arbeitnehmer-Vertreter mit den offiziellen Warenkörben kritisch auseinandersetzten. Und mit der auch damit verschleierten schleichenden Enteignung der Österreicher.

Die selbstgestrickte Preiskontrolle der AK hat eine reale aber durchaus verengte Basis. Auch nach den offiziellen Berechungen der Statistik Austria sind die Preise für Saisonwaren im Mai um rekordverdächtige knapp 15 % über dem Vorjahr gelegen. Der statistsche Mikrowarenkorb – berechnet auf Basis der Preisentwicklung für Waren des täglichen Bedarfs – lag im Mai mit 3,3 % um die Hälfte über der allgemeinen Inflationsrate von 2,3 %. Das  ist übrigens im mehrjährigen Vergleichszeitraum noch ein sehr günstiger Wert. Üblicherweise ist die Inflationsrate für den täglichen Bedarf = für den tatsächlichen Konsum von Durchschnitts-Österreich deutlich, bis doppelt höher wie die Inflationsrate.

Das allen wäre schlimm genug. Schließlich ist der allgemeine Verbraucherpreisindex die wichtigste Basis für die Lohnrunden der Beschäftigten und der verbindliche Richtwert für die Anpassung der Pensionen. Das Ergebnis für nahezu alle Österreicher ist seit Jahren, dass ihre  weit über offiziellen Statistiken real steigenden Lebenskosten durch Lohnrunden und Pensionserhöhungen nicht mehr ausgeglichen werden. Das erlebt seit einem guten Jahrzehnt jeder Arbeitnehmer ohne besondere Gehaltssprünge über die KV-Erhöhungen hinaus, das erleidet jede Pensionistin.

Absolut arg ist aber, dass schon der Warenkorb für die Berechnung der Inflation eine offensichtliche Mogelpackung ist. Dazu das immer noch gültige Eigenzitat aus einem Leitartikel ex 2011:

“Die offizielle Inflationsrate wird auf Basis eines Warenkorbes mit 791 einzelnen Waren oder Dienstleistungen errechnet. Das Entscheidende dabei ist neben der Auswahl dieser Positionen deren Gewichtung bei der Berechnung der gesamten Preissteigerung.

Bis auf die vierte Stelle hinter dem Komma wird die Gewichtung für die offizielle Inflationsrate berechnet. Angeblich auf Basis von genauen Untersuchungen des Kaufverhaltens der Konsumenten.

Da sind heftige Zweifel angebracht. Wenn etwa die Warengruppe Fleisch gleich bewertet wird wie die Gruppe Wohnungs-Installation und -Reparaturen. Wenn Milch angeblich gleich viel Gewicht verdient wie Notebook, Mischbrot wie Weinbrand, Rindfleisch wie Krawatte, Extrawurst wie Sportschuhe oder Ehering und Faschiertes wie Elektroherd.”

Wirtschaftliche Realität der Konsumenten wird also im Warenkorb offensichtlich nicht wirklich abgebildet. Statt dessen eine offenbar allgemein politisch gewünschte Scheinwelt. Ohne je einen Widerspruch zu erfahren erklärte der frühere Generaldirektor der Statistik Austria zur fragwüdirgen Zusammenstellung des Warenkorbes: “Das wurde vor Jahren politisch so festgelegt.”

Die Realität jenseits solcher politischer Steuerung ist:

o Die real wirksamen  Preissteigerungen für Millionen Österreicher übersteigen seit Jahren diese manipulierten Inflationsberechungen.

o Die auf dieser Basis verhandelten oder errechneten Lohnrunden und Pensionerhöhungen ergeben daher seit Jahren in Wahrheit im Effekt sinkende Einkommen.

o Die gnadenlose eis-kalte Progression bei der Einkommenssteuer reduziert zusätzlich die wirtschaftliche Basis des Mittelstandes.

Ist ja eh verdienstvoll, wenn die Arbeiterkammer eine Preissteigerung bei Erdäpfel um 75 % anprangert.

Die dramatische, schleichende Enteignung praktisch aller Österreicher wäre vielleicht ein wichtigeres Thema.

Objektive Statistiken sind jedenfalls verfügbar.

 

 

 

 

Kommentare

  1. Sichelritter

    John Williams leistet in Amerika mit http://www.shadowstats.com/ hierzu einen tollen Beitrag, rechnet nach alter Methode. Leider gibt es so ein Service bei uns nicht. Allerdings haben die “Mitarbeiter” der EU-Organisation ein gutes Gespür für Inflation, denn sie fordern wiedereinmal eine satte Erhöhung ihrer gut dotierten Gehälter. Von solchen Gehältern und auch den Erhöhungen kann der Normalverdiener nur träumen. Aber es ist schön, daß die Jounaille bei all diesen Verwerfungen auch endlich munter wird…

    • Peter Rabl

      Zitiere sine ira Wikipdia
      “Der Ausdruck Journaille (sic!) ist eine abwertende Bezeichnung für Journalisten im deutschen Sprachraum. Es handelt sich um eine Wortneubildung vom Anfang des 20. Jahrhunderts in Anlehnung an das französische Wort Kanaille und bedeutet so viel wie Presse-Gesindel, Presse-Pack.”
      Dass ich mich jedenfalls nicht angesprochen fühle, ahnen Sie vielleicht.
      Vielleicht sollten Sie bei allem ritterlichen Engagement gelegentlich Ihre Wortwahl kontrollieren. :))

      • Furor Teutonicus

        Ich garantiere Ihnen, dass Sie damit nicht gemeint waren. Jedenfalls danke für die Erläuterung.

        Gruß aus JE

  2. Fußgänger-ohne-Pferd

    Sg. Herr Rabl,

    der Begriff Journaille ist in diesem Zusammenhang eventuell doch passend, leider, 2013 munter werden beim Thema der sinkenden Realeinkommen …
    widerspricht doch den ‘Leitwörtern’ rational, sozial, und radikal welche Sie unter http://derrabl.at/ueber-mich/ anführen

    Guten Morgen und ich hoffe Sie haben genug Energie im Winterschlaf geschöpft (steht ja einiges bevor)!

    • Peter Rabl

      Sie sind ein offenbar geh- und sehbehinderter Fussgänger. Ich habe nicht zufällig auf einen Leitertikel aus 2011 hingewiesen. Davor und danach habe ich etliches Einschlägiges kommentiert. Da waren wohl Sie in einem Mehrjahres-Schlaf :))

    • Johann Hochstöger

      Ihr passender Platz wäre wohl auf einem Esel.

    • Johann Hochstöger

      “Dieses Land ist unser”, gilt neben “Mocht’s dö Lamperl net nervös” noch immer als ideologisches Leitmotiv der längst zur Einheitspartie down-gegradeten SPÖVP.

      Das Volk einzulullen und für möglichst deppert zu verkaufen firmiert in von Anspruchslosigkeit geprägten Parteisekreatariaten noch immer als förderungswürdige Form angepasster Intelligenz und wird in den Ranglisten offenbar mit Bonuspunkten honoriert.

      In einem feudal-dekadenten Umfeld das beständig das Mantra von mehr Leistungsbereitschaft und Eigenverantwortung heuchelt, während sich Armut ausbreitet und unter den neoliberalen Vorbetern die Korruption blüht, gehören getürkte Statistiken zum täglich Brot.

      Wer seiner Arbeit noch mit Anstand nachgeht wird von dieser Politik organisiert verhöhnt und um den gerechten Anteil vom Kuchen geprellt.

  3. lugg

    Gehts hier jetzt um journaille oder um teuerung?

  4. Rudolf Orlik

    Dass bei dieser Diskussion über die galoppierende Teuerung der Euro noch nicht erwähnt wurde verwundert mich. Die Preissteigerungen waren seither wesentlich höher als in Schillingzeiten, denn ob 10 dag Wurst von 13,60 Schilling auf 15,00, oder von 1,00 Euro auf 1,10 teurer wurden, ist zwar prozentmäßig ziemlich gleich, aber gefühlt beim Schilling ärger. Die Handelsketten spielen geschickt mit dieser Währungsänderung, erhöhen ziemlich deftig und gewähren dann den Kunden auf einzelne Warengruppen gnädig Rabatt. Seit es keinen Preistreibereiparagraphen mehr gibt, braucht sich auch niemand Hemmungen beim Hinaufschnalzen der Preise auferlegen, denn angeblich regelt der Markt Alles. Der Trugschluss dabei ist, dass nur mehr wenig Anbieter auf dem Markt sind und Preisabsprachen wesntlich leichter zu bewerkstelligen sind. Die Medien aber sollten das Thema der allgemeinen Teuerung wesentlich kritischer behandeln und nicht nur auf die Inserate des Handels schielen. Die Politiker sind auch aufgefordert nicht nur von Steuererleichterungen auf Arbeit zu sprechen, sondern endlich auch etwas zu realisieren. Die Kaufkraft würde steigen und die Dikussion über die Teuerung würde leiser werden.

    • Johann Hochstöger

      Das der Euro, speziell bei uns, eine für den Konsumenten fatale verkaufspsychologische Wirkung (Faktor 1:14) hat ist unbestreitbar.

      Kausalen Zusammenhang mit staatlich organisierter Täuschung und kalter Enteignung per getürkten Statistiken erkenne ich aber keine.

      Da stört mich viel mehr, das auch Gewerkschaften und AK dies im Rahmen der Sozialpartnerschaft nicht ernsthaft thematisieren, sondern bei Gehaltsverhandlungen offensichtlich fortgesetzt augenzwinkernd akzeptieren.

  5. Erich Bauer

    Stagflation… Deflation… Die Statistik zeigt’s. Dafür ist ist die “Inflation” gar nicht so schlimm…:-)

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