Lage der Jungen ist düsterer als man denkt

Dass Österreich mit seinen derzeit 42.000 arbeitsuchenden Jugendlichen (15 bis 24 Jahre) immer noch einen hervorragenden 2. Platz in der EU einnimmt, gehört zum Mantra politischen Eigenlobs. Doch nahezu täglich erscheinen Statistiken, die eine wesentlich düsterere Lage der Jungen belegen. Zuletzt mit der Meldung, dass mit 78.000 die Gruppe der NEEts (Not in Employment, Education or Training) fast die doppelt so hoch ist. Viele andere Statistiken zegen Gründe und Folgen einer Entwicklung, in der ein wachsender Anteil der Jugend den Anschluss verliert.

– 2 % jedes Jahrgangs verlässt das Schulsystem ohne jeden Abschluss;

– 8,3 % der Jungen haben bloß einen Pflichtschulabschluss und sind damit Hauptkandidaten für eine Sozialhilfe-Karriere: Jeder 6. aller Arbeitslosen kommt aus diesem niedrigen Bildungsstatus;

– Fast 20 % der Pflichtschulabgänger verfügt nicht über ausreichende Fähigkeiten für sinnerfassendes Lesen und einfaches Rechnen;

– Rund ein Drittel der 15jährigen schafft die Aufnahmetests für eine Lehre nicht;

– Jeder 6. jedes Jahrgangs gibt die Lehrlingsausbildung auf (in Wien jeder 4.), jeder 3. verlässt die Überbetriebliche Lehrlingsausbildung und damit die letzte Chance für einen Lehrabschluss;

– Jeder 4. bricht die AHS ohne Abschluss ab, jeder 3. die BHS;

– Nur 20 % der Maturanten findet in den ersten drei Monaten einen Job, nach einem Jahr sind immer noch 40 % eines Maturajahrgangs ohne Arbeit;

– Ein Viertel der jungen Absolventen von Unis und FHs findet nur eine prekäre Beschäftigung;

– Die Arbeitslosenrate ist bei Akademikern im letzten Jahresvergleich um die Hälfte auf 3,4 % (13.300 Betroffene) gestiegen; seit 2000 ist die Arbeitslosenrate bei Akademikern doppelt so stark gestiegen wie der Durchschnitt;

– 44 % der 25jährigen Männer wohnen immer noch bei den Eltern, jede dritte gleichaltige Frau lebt im Hotel Mama, beide Werte sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen;

– Jedes 4. Kind isst nie Gemüse, aber ebenso viele essen 3 bis 4 mal pro Woche Käsekrainer, Hamburger oder Döner Kebap;

– Rekordwerte verzeichnen österreichische Jugendliche beim Rauchen und Trinken: Jeder vierte 15jährige Bursch und fast jede dritte Mädchen raucht mindestens 1 mal in der Woche, 39 % der 15jährigen Burschen und 31 % der Mädchen waren schon mindestens 2 mal betrunken;

Ein Zusammenhang zwischen diesen letztgenannten Daten und der übrigen Problemliste wäre eine Untersuchung wert.

 

Kommentare

  1. la paloma

    Mein Kind ist neun und hat gestern gefragt, ob es eventuell nach der Volksschule in Pension gehen könne. Dafür isst das Kind mindestens fünf Mal in der Woche Gemüse.

  2. Robert Kutschera

    Was mich betroffen macht, ist die Reaktion auf diese Statistiken. Man macht generell die Schule, die Politik, den Staat für diesen Zustand verantwortlich, was sicher nicht falsch ist! Außen vor bleiben meistens die Eltern, die aber nach meiner Meinung die Hauptverantwortlichen sind! Ich bin aus einer Generation (Alter 63), deren Eltern meistens aus prekären/Arbeiterverhältnissen kommen. Das hat unsere Eltern aber nicht davon abgehalten, uns eine gute Ausbildung zukommen zu lassen! Also : nehmen wir auch die Eltern in die Pflicht!

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