Aus für das Berufsziel Frühpensionist

Was für ein ambitionierter Plan, der da via “Kurier” aus den Geheimgesprächen der Koalitionäre dringt: Gleich um 0,9 Jahre soll das tatsächlich Pensionsantrittsalter in den kommenden 5 Jahren rascher steigen als bisher geplant. Insgesamt um 1,6 Jahre auf dann 60 Jahre Antrittsalter. Das ist zum Teil ein Taschenspielertrick und wird gesamt jedenfalls nicht reichen, um dem heimlichen Berufsziel Frühpensionist das nötige rasche Aus zu bescheren.

Gleich zum Vorwurf der Taschenspielerei. Ein Gutteil der Erhöhung des Antrittsalters kommt aus der ab kommenden Jahr wirksamen Reform bei den Invaliditätspensionen. Für Berufsunfähige unter 50 soll es die nicht mehr geben. Was man sich damit in dieser zuletzt wachsenden Gruppe jüngerer Frühpensionisten an Kosten bei den Pensionen einspart wird freilich zu einem überwiegenden Teil auf die Sozialversicherungen überwälzt. Aber die Pensionsstatistik wird damit verschönert.

Wieder können sich die beiden Koalitionsparteien gegen alle Prognosen und die einfachste Mathematik nicht auf das unbestreitbare Faktum einigen: Die Österreicher werden immer älter – die Lebenserwartung der 65jährigen steigt pro Jahr um 2,4 Monate, in fünf Jahren also um ein ganzes Jahr – und beziehen damit immer länger ihre Pension. Zusätzlich kommen in den kommenden Jahren die starken Babyboom-Jahrgänge ins Pensionsalter und vergrößern alle Probleme zusätzlich.

Diese unbestrittene Entwicklung mit drastisch steigenden Kosten für die Pensionen – laut OECD wird Österreich 2020 Spitzenreiter bei den Pensionsausgaben bezogen auf das BIP sein – kann nicht wie über viele Jahre in der Vergangenheit durch eine stark steigende Produktivität und entsprechende Lohn- und damit Beitragssteigerungen aufgefangen werden.

Statt weiterem Schönrechnen und gespielter Gefühlsduseligkeit (“Seele der Partei”) ist nach nüchterner Analyse die beschleunigte Erhöhung des Pensionsantrittsalters überfällig. Die Deutschen haben es gerade geschafft, dass erstmals nach 40 Jahren mit 42 % die Mehrheit der 60 bis 64jährigen berufstätig, während 40 % dieser Altersgruppe in Pension ist. Vor 10 Jahren hatten die Deutschen ähnliche Verhältnisse wie wir: Zwei Drittel dieser Gruppe in Rente, nur 15 % im Berufsleben.

Hauptgrund dieser deutschen Pensions-Wende: Für jeden Monat früheren Wechsel in die Pension wird die Rente dauerhaft und ohne Deckelung um 0,3 % gekürzt. Die Dosis wirkte rasch. Statt wie 2011 um durchschnittlich 36 gingen die Deutschen nur noch um 27 Monaten früher in Pension. Obwohl auch die Nachbarn mehrheitlich lieber früher gehen würden.

Dass eine wesentlich drastischere Bremsung dieser Art auch flankierende Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt für Ältere braucht, versteht sich von selbst. Wobei auch mit der Arbeitslosigkeit vor dem Pensionsantritt getrickst wird. Jeder weiß aus dem realen Leben, wie viele Ältere sich mit ihren Arbeitgebern auf einen vorzeitigen Ausstieg einigen und vor der Pension noch ein Jährchen Arbeitslose kassieren.

Was nichts am weit verbreiteten Übel der Frühpension als Mittel unternehmerischer Kostendämpfung ändert. Dagegen hilft wohl nur starker Anreiz für die Unternehmen durch ein spürbares Bonus-Malus-Programm.  Dass laut gelegentlicher Argumentation aus Unternehmenskreisen jeder Malus eine Sünde gegen die Marktwirtschaft wäre, darf man dabei ruhig übergehen. Zusätzlich wäre eine Image-Abwertung fällig für schlaue Frühpensions-Programme zugunsten von eigenen Gewinnen und zulasten der öffentlichen Kassen. Der ORF etwa sollte sich seiner einschlägigen “Golden Handshakes” für Frühpensionierungen als Teil des Sparprogramms nicht mehr selbst berühmen dürfen.

Bleibt als ganz großer Reform-Brocken das Frauen-Pensionsalter. Angesichts der finanziellen Lage von Staat und Pensionskassen ist die schrittweise Anpassung von 60 auf 65 Jahre ab 2024 bis 2033 nicht mehr zu rechtfertigen. Wenn es denn überhaupt je der richtige Weg gewesen sein sollte, diverse soziale Benachteiligungen ausgerechnet über die Pensionskassen auszugleichen. Wie man etwa den Rückstand bei Frauen-Einkommen wirksam bekämpft führten die Handelsangestellten mit ihrem letzten Lohnabschluss mit einem künftigen Mindestgehalt von 1.500 Euro vor.

Wer das frühere Pensionsalter verteidigt, darf redlicher Weise die damit verbundenen Nachteile für sehr viele Frauen durch jahrelangen Einkommensverlust und niedrigere Pensionsansprüche nicht verschweigen. Eine frühere Anpassung ist für viele berufstätige Frauen von Vorteil und den meisten Frauen zumutbar.

Reformbereitschaft und Lösungskompetenz einer künftigen Koalition wird man zu einem großen Anteil an den Antworten auf diese Herausforderungen messen dürfen.

 

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