Berufsverbot für Bankster

“Es geht um Bestrafung und Abschreckung” erklärt der EU-Wettbewerbskommissar Almunia die Rekordstrafe von 1,7 Milliarden Euro, die er sechs global agierenden Großbanken aufbrummte. In den betroffenen Chefetagen wird man darüber wohl milde gelächelt haben. Hatten diese Banken doch über Jahre mit gezielter Manipulation der Zinssätze Euribor und Libor Milliarden-Gewinne ergaunert und gleichzeitig unermessliche Kollateralschäden für unzählige Kreditgeschäfte von globale Finanzmärkten bis zu kleinen Häuselbauern verursacht. Die im Vergleich dazu minimalen Strafzahlungen sind in den Bilanzen längst rückgestellt und vermindern bloß kurzfristig die aktuellen Gewinne (und damit die Steuerleistung). Am offensichtlichen globalen System organisierter Kriminaliät im Nadelstreif ändert das kaum etwas. Abschreckend wären nur strikte Berufsverbote für die zurecht als Bankster bezeichneten Banken-Bosse und der Lizenz-Entzug für die gaunerischen Banken.

Viele ganz große Player des internationalen Bankgeschäftes haben im regellosen Turbokapitalismus  jedes Maß und jede Moral verloren,  alle Regeln seriösen Bankgeschäftes gekübelt. Gewerbsmäßig betrogen wurden andere Banken, das globale Finanzsystem, kleine Kunden. Kaum ein Bereich des sträflicher Weise völlig deregulierten Finanzgeschäftes, in dem gegen diese ganz großen westlichen Banken nicht zumindestens konkreter Verdacht besteht.

– Erwiesen ist, dass große Banken-Player mit giftigen Paketen von Hypothekenpapieren aus windigen amerikanischen Hauskrediten weltweit Opfer gesucht und gefunden haben. Das US-Institut JP Morgan Chase hat allein für solche Geschäfte  kürzlich in einem – gemessen an den erschwindelten Gewinnen und angerichteten Schäden – sehr günstigen Vergleich 13 Milliarden $ gezahlt.

– Erwiesen sind die gezielten und langjährigen Manipulationen der Zinssätze Euribor und Libor, für die jetzt die EU – angesichts der erwähnten Miliarden-Gewinnen und Megaschäden für die Wirtschaft – das höchst bescheidene Lösegeld verfügt hat. Die betrügerischen Aktivitäten beeinflussten Finanzgeschäfte und Kredite in Höhe von hunderten Billionen Euro.

– Untersucht werden sehr konkrete Hinweise auf Manipulationen der globalen Wechselkurse von Währungen durch die immer gleichen Mega-Banken. Der tägliche Umsatz von Devisenmarkt von 5 Billionen Dollar (echte Billionen, keine US-billions) war offenbar für gewinnbesoffene Bankster zu viel Versuchung.

– Schwer unter Betrugsverdacht steht  jetzt auch das Goldfixing – einschlägig bekannte Banken legen täglich die Preise für Gold und Silber fest.

Die viel besungene Selbstreinigungskraft der Märkte funktioniert angesichts dieser  gewinnbringenden organisierten Kriminalität im Nadelstreif nicht. Die Aktionäre der in all den anrüchigen Geschäften zutiefst involvierten Deutschen Bank verlängerten z.B, eben die Verträge der für diese teilweise kriminelle Vergangenheit verantwortlichen Bank-Bosse.

Die EU-Kommission hat mit sträflicher Verzögerung erst im September endlich einen Gesetzesentwurf vorgestellt, der das Zins-Fixing der Banken  unter öffentliche Kontrolle stellen soll – und das erst frühestens ab 2015.

Das darf einer europäischen Politik, die um das Primat über die Wirtschaft ringen muss, nicht reichen.

Gegen die organisierte Kriminalität in Chefetagen der Großbanken helfen nur entschlossene gesetzliche Maßnahmen: Berufsverbot für konkret betroffene Verantwortliche  aus jener  unseligen  Manager-Gruppe, die zu Bankstern degenerierten.

Und wenn Gewinn-verblendete und -verblödete Bank-Aktionäre bei der Wiederherstellung einigermaßen seriösen Bankings nicht mitspielen wollen, dann  eben Lizenz-Entzug, Vergesellschaftung, Zerschlagung von so genannten Systemrelevanten und anschließend Re-Privatisierung neuer und gesunder Strukturen.

Was bisher seit dem Schock 2008 zur Bändigung durchgeknallter Märkte und Manager geschah, erreicht nicht einmal annähernd die politischen Ankündigungen von damals. Geschweige denn die objektiven Notwendigkeiten zur Wiederherstellung einer seriösen Sozialen Marktwirtschaft.

By the way: Was zählt im Vergleich dazu die Verhandlungsdauer für die mutlose Fortsetzung einer fantasielosen Koalition?

 

 

 

 

 

 

Kommentare

  1. HPR

    Der gewaltige Unterschied zwischen den genannten Strafen in den USA und Europa liegt im Empfänger. Die 750 Mio € der Deutschen Bank landet bei der EU, JP Morgan muß ihre Kunden mit 13 Milliarden entschädigen. Auch in anderen Belangen sind uns die oft wirtschaftsliberal gescholtenen Amerikaner etwas voraus. Kein CEO wird in den USA auf empfohlene Maßnahmen aus dem Compliance – Bereich verzichten, weil sie die persönliche Strafe inklusive Gefängnis bei Versäumnissen vor Augen haben.
    Was bitte war denn die Zinsmanipulation anderes als gewerbsmäßiger Betrug, das Komplott der großen Banken anderes als die Bildung einer kriminellen Vereinigung? Die Leben einiger putziger Tierschützer wurden über Jahre zumindest empfindlich gestört, wenn nicht ruiniert, dabei würden der Nadelstreif viel besser zum Mafia Klischee passen.
    Was bleibt am Ende des Tages leider wieder beim Bürger an Nachgeschmack zurück? Die Kleinen werden gehängt, die Großen gehen ohne Sanktionen frei.

  2. Klaus Woltron

    Wie sollen Mäuse Tiger bändigen?

  3. Johann Hochstöger

    Demokratisch legitimierte Politik hat besonders in der EU den Primat des Handelns an den Porto- und Spesenkassen von Konzernen und Finanzadel abgegeben.

    Freiwillig und mit Peanuts als Strafen lassen sich die Geister die man rief nicht mehr domestizieren. Hochrangig organisierte Schlaucherlpartien im Nadelstreif verhöhnen mittlerweile Regierungschefs und fühlen sich fester im Sattel als je zuvor.

    Und unter solchen Prämissen wird von augenzwinkernden Politgaucklern allen erntes Verständnis oder gar Zustimmung für mehr Macht nach Brüssel erwartet?

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