Die wahre Herausforderung kommt erst

Die wahrhaft beschämende Gegenwart der Flüchtlingskrise in Traiskirchen und im halben Land wird der neue Flüchtlingskoordinator Christian Konrad wohl in den Griff kriegen. Dieser durchschlagskräftige Machtmensch und meisterliche Netzwerker hat seine – weniger bekannte – ungewöhnlich dicke soziale Ader über Jahrzehnte an vielen Stellen bewiesen.

Aber die wahre Herausforderung kommt erst auf uns zu. Der bislang peinlichst überforderten Politik ist dringend geraten, sich und die Bürger darauf vorzubereiten.

Was wir bisher an Flüchtlingszahlen verbucht haben, ist nur ein sanftes Präludium für die kommenden Monate, wenn nicht Jahre. Gut 5 Millionen Kriegsflüchtlinge in den Nachbarstaaten Syriens und des Irak realisieren, dass eine baldige Rückkehr in die Heimat illusorisch ist. Gleichzeitig sind die Gastländer begreiflicher Weise zunehmend von den Massenlagern überfordert, und in schandbarer Weise verweigern reiche Staaten wie die USA, die EU-Länder und vor allem die in Petrodollars schwimmenden Araber den internationalen Flüchtlingsorganisationen vor Ort eine ausreichende Finanzierung für Ernährung und sonstige Versorgung. Die Flucht nach Europa bleibt als einzige Antwort auf die Hoffnungslosigkeit.

Einige wenige Zahlen aus der Asylstatistik des Innenministeriums zeigen den anschwellenden Flüchtlingsstrom: Im Monat Juni 2014 suchten 1.200 Menschen um Asyl an, im heurigen Juni mit 7.350 mehr als sechs Mal so viele. Im Juni des Vorjahres kamen noch rund 50 Prozent der Asylsuchenden aus den Haupt-Kriegsgebieten Syrien, Irak und Afghanistan, heuer sind es bereits 77 Prozent. Das bedeutet nach der üblichen Praxis der Asylgewährung, dass jetzt die große Mehrheit der Flüchtlinge tatsächlich beste Aussichten auf Asylgewährung haben, während noch vor zwei Jahren nur jeder Fünfte anerkannt wurde.

Von den für heuer eher vorsichtig geschätzten 80.000 Flüchtlingen haben demnach mehr als 50.000 eindeutig legalen Anspruch auf Asyl. Wer als Asylberechtigter anerkannt ist, hat dann das Anrecht, seine engere Familie nachkommen lassen. Rund 80 Prozent der Kriegsflüchtlinge sind Männer. Wenn auch nur jeder Vierte von ihnen legitimer Weise seine Frau und ein oder zwei Kinder ins Land holt, kommen wir allein für heuer auf eine Gesamtzahl der Asylberechtigten von rund 75.000.

So viel einmal zu den nackten aktuellen Zahlen. Wer wie ich nicht an die Lösungskompetenz der EU und schon gar nicht an die Wirkung von moralisch höchst fragwürdigen Grenzzäunen und –fahndern glaubt, muss für das nächste Jahr mit noch deutlich höheren Zahlen rechnen.

„60.000 bis 70.000 Menschen pro Jahr aufzunehmen muss für Österreich machbar sein“, plauderte kürzlich locker der Sozialminister im „Standard“.

Fragt sich bloß, was dann faktisch „machbar“ sein muss.

75.000 Asylberechtigte, das entspricht in etwa der Bevölkerung von Villach und Klosterneuburg, brauchen Wohnraum.

Mindestens 10.000 Kinder brauchen Plätze in Kindergärten und Schulen, brauchen spezielle Betreuung und Unterricht.

Alle Asylberechtigten haben wie jeder Österreicher Anspruch auf Bedarfsorientierte Mindestsicherung BMS (pro Einzelperson mindestens 828 Euro 12 Mal im Jahr, für Ehepaare 1.242 und pro Kind weitere 149 Euro), Familienbeihilfe und Krankenversicherung.

Arbeitsfähige Asylberechtigte haben freien Zugang zum Arbeitsmarkt, als BMS-Bezieher sogar die Pflicht zur Arbeitssuche. Teilweise gut gebildete und ausgebildete Syrer und Iraker werden in einigen Branchen gebraucht, wobei es auch teilweise zu einem Verdrängungswettbewerb auf dem Arbeitsmarkt kommen kann. Für viele weniger gebildete Flüchtlinge gibt es kaum Chancen auf Jobs. Schon jetzt meldet der Arbeitsmarktservice 17.000 arbeitssuchende Asylberechtigte.

Viele Tausende von den Kriegsflüchtlingen sind von ihren Erlebnissen schwer traumatisiert und brauchen psychologische Betreuung, damit sie sich integrieren können.

Im Gegensatz zu früheren Flüchtlingswellen kommen diese Menschen aus völlig anderen Kulturkreisen und sind zumeist Moslems, was die Integration nicht leichter macht.

Angesichts der katastrophalen Entwicklung in den Herkunftsländern ist es völlig illusorisch, dass Asylberechtigte in absehbarer Zukunft in ihre Heimat zurückkehren können und wollen.

Wie gesagt, das sind nur die riesigen Herausforderungen für die Flüchtlinge des Jahres 2015.

Das wird Österreich und den Österreichern weit mehr abverlangen, als je zu leisten war. Das geht über Spenden und private Hilfsbereitschaft weit hinaus. Je früher die Politik diese Realitäten und Entwicklungen und andererseits mögliche Lösungen den Bürgern offen kommuniziert, desto eher lassen sich weitere politische Erfolge von Hetzern und soziale Konflikte vermeiden.

Dazu braucht es mehr als einen tüchtigen Koordinator. Dazu braucht es endlich koordinierte politische Leadership.

 

 

Kommentare

  1. Klaus Woltron

    Schöne Lagebeschreibung. Was aber wäre zu folgern?

    Dazu braucht es, neben Leadership, das wir in A nicht aufbringen werden, weil es für die jeweiligen Leader unattraktiv ist, auch den Willen zu einer ganzen Reihe von Bekenntnissen:

    1. Zum langsamen Abschied von jener Kultur, die einmal eine europäische bzw. österreichische war. Die Kombination von Zuwanderung und geringer Reproduktionsrate der österreichischen “Urbevölkerung” wird binnen weniger Generationen zu einem völligen Umbruch führen. Das wird langsam gehen und etwa 4 Jahrzehnte brauchen, aber unumkehrbar sein. Immer mehr Leute werden diesen Übergang schmerzlich fühlen. 2060 wird man Sepp Forcher als den Sitting Bull der autochthonen Restösterreicher verehren.

    2. Das Sozialsystem, das jetzt schon nur mehr durch immer steigende Schulden “stabil” gehalten werden kann, wird, weit überproportional zur Anzahl der zu integrierenden Zuwanderer, zu finanzieren sein. (Bestehende Systeme – Arbeitslosen – Versicherung – Schul – Wohn – Gesundheit – Sicherheit) müssen erweitert und angepasst werden.

    3. Es wird ein enormer Druck auf dem Arbeitsmarkt durch Schwarzarbeit und den jetzt schon intensiven Arbeitsstrich entstehen.

    4. Die kulturellen Spannungen und die überall latente Aversion gegen das Fremde, Unbekannte und Konkurrenzierende werden den sozialen Zusammenhalt schwerstens belasten und aller Wahrscheinlichkeit nach totale Umbrüche im Parteienspektrum verursachen – als erstes in Österreich, Frankreich, Holland, dann weiter in England und Skandinavien. Das Resultat ist unkalkulierbar.

    5. Die zunehmende Nervosität und Aggressivität kann den Ausbruch kriegerischer Auseinandersetzungen aus anderen Gründen – Stichwort Konfrontation NATO – Russland – indirekt begünstigen.

    Das ist mein ganz grobes Szenario für mich, meine Kinder und Enkel.

    Fazit

    a) Für mich als saturierten Siebzigjährigen ist das ganze Spektakel kein Anlass, mich persönlich unmittelbar betroffen zu fühlen – in meiner Lebensspanne wird es mich nicht physisch oder materiell betreffen – außer als engagierten, jeglichem Mainstream fernen Beobachter und Ratgeber an jene, denen daran gelegen ist. Träumer und Wishful Thinker mögen nach ihrer eigenen Facon selig werden.

    b) Für meine erwachsenen Kinder gilt es, sich auf die o.a. Entwicklungen einzustellen, den Risiken rechtzeitig auszuweichen und die – durchaus auch gegebenen- neuen Chancen zu erkennen und zu nutzen.

    c. Für meine studierenden Enkel (Teen und Twens) habe ich folgenden Rat präsent:

    – stellt Euch auf harte Zeiten ein.
    – Entwickelt Frustationstoleranz
    – entwickelt Kenntnisse und Fertigkeiten, die man auch in solchen Zeiten braucht.
    -siedelt Euch in Gegenden an, in denen man von den kommenden Verschiebungen nicht negativ betroffen sein wird.
    – Schaut Euch rechtzeitig auf der Welt um und baut Alternativen auf, die Euch dazu befähigen, im Fall der Fälle diesen Kontinent zu verlassen und anderswo erfolgreich zu existieren.

    Im Übrigen wird es wahrscheinlich sowieso ganz anders kommen als erwartet – Read the Black Swan – Theory. https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schwarze_Schwan

    • Peter Rabl

      Leider muss ich Ire Einschätzungen weithin teilen. Danke für die spannenden Überlegungen.

    • Gast

      Ich stimme Herr Woltron fast vollkommen zu. Nur der in Punkt 1 beschriebene langsame Abschied wird nicht ohne Widerstand erfolgen. Das wird sich nicht nur in der in Punkt 4 beschriebenen Verschiebung der Wahlergebnisse widerspiegeln. Die Brandanschläge sind nur ein Vorbote auf das was kommen könnte. Sobald die Mittelschicht in die Armut abrutscht ist es vorbei mit der aktuell noch vorhandenen Solidarität.

    • Christoph Chorherr

      Zu Woltrons sehr negativer Gesamtschau möchte ich beispielhaft einen Punkt ergänzen-bzw. entegenhalten: Das Bildungsniveau sehr vieler Syrer/innen (derzeit grösste Gruppe) ist hoch. Daraus liesse sich sehr viel Positives für europäische Länder machen.

      • Klaus Woltron

        Selbstverständlich gibt es eine ganze Reihe von Chancen:

        1. Wie nachgewiesen die Migranten in den USA, werden auch bei uns sehr viele Tüchtige und Leistungswillige ein Ansporn für unsere eher Erlahmenden und bequem Gewordenen sein.
        2. Die Syrer sind ein uraltes und – mit Verlaub – edles Kulturvolk mit einer hohen Kultur, guter Ausbildung, und schön zum Anschauen sind die meisten auch.
        3. Eine wohl dosierte, mit den Möglichkeiten synchronisierte Zuwanderung ist ohne Zweifel fruchtbar.
        4. Alles geht, im Übermaß, allerdings ins Blöde über. Sogar Wassertrinken, das Gute und die Tugend.

      • Neuhold

        Hoffe, es ist wirklich so. AMS-Daten geben es nicht wieder. 75 % der Syrer nur Pflichtschulabschluss

  2. Klaus Woltron

    PS.: Es ist Zeit, sich mit den Chancen der unabänderlichen Entwicklung zu befassen. Der Klagen sind genug gewechselt.

  3. Alexandra Bader

    Es ist keineswegs “unabänderlich”, sondern eine Destabilisierung Österreichs mit Nebenwirkungen der Destabilisierung anderer Staaten; wir sind nicht dazu da, die offenen und verdeckten Interventionen der USA auszubaden! Jeder Staat hat das Recht, zu allererst an die eigenen Interessen zu denken, weil dies eine Frage der Souveränität und der Handlungsfähigkeit ist. Dazu gehört auch, Menschenrechtsverletzungen im eigenen Land anzugehen, die in Österreich teils massiv sind, gerade weil seit Jahren so getan wird, als hätten nur Flüchtlinge (und wer sich so nennt) Menschenrechte! Zugleich hat niemand von denen, die sich immer so gross als “mitmenschlich” in Szene setzen, je die Verantwortung der USA angesprochen; das ist anders ausgedrückt eine sehr zynische Haltung: es ist okay, dass Menschen getötet, verwundet, traumatisiert, beraubt, vertrieben werden. Jeder Tag des Schweigens dazu sorgt für weitere Opfer.

    Und: jede Hilfsmaßnahme für andere, die nach Österreich kommen, MUSS auf Menschen erweitert werden, die hier in Not sind und das Gleiche brauchen: zu Essen, ein Dach überm Kopf, Kleidung, Perspektive, Beistand in menschlicher und juristischer Hinsicht. Denn sehr viele sind in Österreich mit allem allein gelassen, weil “Zivilgesellschaft” (die selbstverständlich die Rolle der NATO bei Flucht und Vertreibung immer ausblendet) bei Flüchtlingen beginnt und endet.

    • Klaus Woltron

      Mission accomplished. Auch in der Ukraine. Frau Merkel wird eines Tages den Großen Bush – Erinnerungsorden mit Europa – Memorial – Stern am Juncker – Gedenkbändchen und TTIP – Diamanten an ihrem Busen tragen dürfen.

  4. Christoph Kotanko

    Spannende Diskussion mit Fakten und offenen Worten.
    Ein Aspekt, der m. M. vertieft gehört: Die Probleme müssen vermehrt dort bekämpft werden, wo sie entstehen.
    Wir haben es Syrien, Eritrea etc. nicht mit unabänderlichen Naturereignissen zu tun, sondern mit Ursachen, die zu benennen sind. Kein Syrer, kein Eritreer will unter allen Umständen sein Land verlassen. Auch Libyen hat kein – von welchem Gott auch immer gewolltes – Schicksal.
    Die Europäer und andere (UN, US, Arabische Liga etc.) werden um ein robustes Mandat zur Bekämpfung der Ursachen nicht herumkommen, wenn sie die aktuelle Entwicklung ändern oder mildern wollen.
    Peinlich ist in dem Zusammenhang die österreichische Außenpolitik: Der Außenminister der Herzen verlangt verstärkte militärische Einsätze gegen den Terror, nächster Satz: Österreich würde sich mit nichtmilitärische “Ausrüstungsgegenständen” anschließen…

    • Peter Rabl

      Da hast du völlig recht. Aber du weißt, wie breit das Mega-Thema ist. Wollte mit dem Blog jetzt mal auf die Herausforderungen hinweisen, vor denen unsere Gesellschaft und der Wohlfahrtsstaat stehen.

    • Klaus Woltron

      Die alten Römer, inkl. mein geliebter Marcus Antonius Aurelianus, haben jahrhundertelang – nach ihrer räuberischen Expansionsphase – den Druck von aussen am Entstehungsort bekämpft. Auch im Felde, mit dem harten Bett unter dem Hintern des Kaisers. Dazu aber braucht man Mark in den Knochen, und nicht Drittabschlagen a la EU.

      Wer wird schon nach Syrien in den Krieg ziehen, von unseren Nutellaverwöhnten? Und wer schickt seine Enkel gern hin, trainiert beim Bundesheer auf Whikyservieren in der Offiziersmesse? Mit Schutzmasken und Verbandsmaterial allein würde es nicht abgehen, diesmal.

  5. Josef erbler

    Endlich einer, der die Dinge in richtiger Weise zusammenfassen mag. Die Politik ist gefördert selbst, wenn sie sich der Gefahr aussetzt abgewählt zu werden. Zivilcourage ist gefragt ohne politisches Kleingeld. Es gibt so viel Hilfsbereitschaft und auch kompetente NGOs die ohne Geld dahingrundeln. Jetzt gilt es unseren reicht im dort einzusetzen, wo Platz Not, Nahrung, Integration und Erziehung zu toleranz gefördert sind. Später werden diese nenschen ein zut zeit aussterbendes lsterreich am leben halten helfen.
    Bitte kein politisches Kleingeld mehr sondern

    • Klaus Woltron

      Das allerdings ist der Edelmut par excellance: Was aber nach dem Abgwähltwordensein tun? Stolz sein auf den Edelmut, der nichts genützt hat? Ich bin da eher Anhänger der Verantwortungsethik, und nicht der selbstgerechten und -genügsamen Gesinnungsethik (nachzulesen bei https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber).

      Zur Auflockerung dazu ein bedeutungsschwangeres Gedicht von C. Morgenstern:

      Der Hecht

      Ein Hecht, vom heiligen Antón
      bekehrt, beschloß, samt Frau und Sohn,
      am vegetarischen Gedanken
      moralisch sich emporzuranken.

      Er aß seit jenem nur noch dies:
      Seegras, Seerose und Seegrieß.
      Doch Grieß, Gras, Rose floß, o Graus,
      entsetzlich wieder hinten aus.

      Der ganze Teich ward angesteckt.
      Fünfhundert Fische sind verreckt.
      Doch Sankt Antón, gerufen eilig,
      sprach nichts als: “Heilig! heilig! heilig!”

  6. Franz Parteder

    Das kann ich nur unterschreiben. Elke Kahr hat vorgestern mit dem steirischen Caritas-Verantwortlichen gesprochen. Brisanz der Wohnungsfrage: Anerkannte Flüchtlinge haben Anspruch auf Gemeindewohnungen.

  7. hans.payrleithner

    sehr gute analyse- aber nicht alle die jetzt kritisch reagieren sind ” hetzer”, kann ich schon nicht mehr hören, ähnlich: wir sind eines der “reichsten länder”(ein paar wenige vieleicht) was ist mit jenen(hauptsächlich rauen) die mit 800 bis 1000 euro monatl. auskommen müssen?(je nach statistik rund eine million österreicher) daher; ängste sin mehr als verständlich,und niemand führt die debatte: wie lange bleiben die alle?????

  8. GP

    Jean Raspail hat dieses Problem bereits 1973 ERSCHRECKEND aktuell in seinem Roman “Das Heerlager der Heiligen“ beschrieben. Wenn wir das Ende des Romans erleben, dann ist das wirklich unser Ende.

  9. Anonymous

    Wiebwärs mit: lasst die leute arbeiten?

  10. Eva Stadler

    Wenn uns jetzt die Folgen eines innerislamischen Konfliktes um die Ohren fliegen: wie kommt es, daß die ultra-reichen islamischen Brüder der arabischen Öl-Staaten keinen Finger rühren, und (wie) kann man sie “motivieren”, Verantwortung zu übernehmen ??!

    Und wäre auch bei uns ein Modell wie Sutera (sizilianisches Bergdorf)denk- bzw. realisierbar ? Ich glaube, daß die Bereitschaft der “einheimischen” Bevölkerung unterschätzt wird, viele wollen helfen, werden aber von zahlreichen bürokratischen Hürden abgeschreckt oder scheitern gar an ihnen; soll Integration verhindert werden, damit es ja nicht zu weiteren Fällen “Arigona” kommt ?

  11. alexander hoell

    Warum erst jetzt? Sämtliche Geheimdienste der Welt mussten wissen was uns erwartet. Das Mittelmeer ist seit Jahrzehnten Flüchtlingsgrab. 70 qualvoll gestorbene werden jetzt durchaus mit christlichem Glockengeläute zum zentralen Thema der gerade in Wien stattfindenden Westbalkan-Konferenz erkoren. Too late too little.

    Wenn man vom tagesaktuellen grauenvollen Geschehen einmal absieht sollten sich unsere von uns gewählten Verantwortlichen mit folgenden Szenarien/Fakten auseinandersetzen. (Liste beliebig ausbaubar)

    1. Syrien. Das Thema ist seit Jahren auf der Agenda sämtlicher Großmächte. Auch im Bereich des Waffen-Munition-Giftgas Nachschubs. Sie – durchaus im hohen Maße auch die großen Drei Europas – befeuern damit den Exodus von leidgeprüften Menschen noch heftiger. Man wird einwenden: So einfach ist das nicht! Da gibt es religiöse, politische, wirtschaftliche, geopolitische Interessen ganz abgesehen von den Wünschen der externen UNSICHTBAREN Mitspieler. CIA und Konsorten befürchten ein Machtvakuum wenn Asad gestürzt wird. Wie sie es bei Saddam und Gaddafi und anderen erleben mussten. Der Glaube wenn Diktatoren weg sind ist eine Instantdemokratie machbar kann nur infantilen und der Geschichte nicht mächtigen Hirnen entspringen. Von der Aufklärung bis zur heutigen Zeit war es ein langer durchaus blutgetränkter Weg den Europa gegangen ist. Ganz abgesehen das im Islam Religion und Staat ident sind ganz andere Barrieren zu überwinden wären. Und das wird dauern und es wird blutig. Eine Katharsis eben. Aber eine die die Menschen dort selber durchleben müssen wenn sie denn unserem Vorbild einer Demokratie folgen wollen. Wir können – wenn sie es wollen – helfend einspringen. Waffenexporte sind sicher nicht der richtige Weg.
    1. Hilfeleistung. Selbstverständlich unter Einbeziehung folgender Überlegungen.
    Die Dritte Säule des Islam ZAKAT fordert alle Muslime auf Menschen in Not zu helfen. Die Fluchtwege nach z.B. Saudi Arabien wären wesentlich kürzer, das Land zudem immens reich, die Sprachbarrieren überschaubar und der religiöse Hintergrund zumindest kompatibler als bei uns. (Sunniten Schiiten Wahabiten Problematik schon berücksichtigt). Warum also Europa? Die „hedonistische“ Lebensweise da wird vom Islam aufs heftigste kritisiert.
    Also warum werden nicht Muslimische Staaten in die Pflicht genommen sich um Ihre Glaubensgenossen zu kümmern? Fakt ist. Es ist eigentlich nicht unser Problem. (Jordanien hat z.B. ca. 400.000 palästinensische Flüchtlinge aufgenommen.)
    Außer man denkt 99 Jahre zurück wo im Sykes Picot Abkommen der NAHE OSTEN willkürlich unter den Kolonialmächten England und Frankreich aufgeteilt worden ist. Der Ansatz könnte also lauten: Es wurde die Ressourcen der Länder vom Westen weidlich geplündert jetzt wird quasi eine moralische Wiedergutmachung gefordert. Diese wäre sicher sinnvoller wenn ein NEUER Marshallplan durchaus mit europäischer Hilfe lebenswerte Bedingungen schaffen. Das ginge sicher nur mittelfristig wäre aber immer noch sinnvoller als nicht endend wollende Karawanen von Flüchtlingen – NEUE VÖLKERWANDERUNG – die auch die Zielländer destabilisieren.
    2. Völkerwanderungen haben immer zu Veränderungen im Zielland geführt. Meistens haben sie die vorhandene Kultur nachhaltig beeinflusst verändert oder übernommen. Das sie eine Bevölkerung gesamthaft spaltet und einer „OKTOBERREVOLUTION“ Raum schafft ist hingegen neu. Und das dass gerade die bedauernswerten Menschen schaffen gegen die man eigentlich ist und somit einer Politischen Gruppierung zur Macht verhilft wäre ein weiterer Treppenwitz der Geschichte.
    3. Noch weiter voraus gedacht. ISIS – wie sie sich anfänglich nannten – haben als ultimatives Ziel die Errichtung des ehemaligen Kalifats genannt. Schon jetzt haben sie regen Zulauf von verblendeten jungen Männern und Frauen aus aller Herren Länder. Wie wird es erst sein wenn Abertausende am untersten Rand der Europäischen Leistungsgesellschaft stehende perspektivlose Muslime aufgefordert werden sich einem weltweiten Dschihad anzuschließen. Ich mag es mir nicht auszumalen.
    4. Wie ist es möglich dass weltweit unvorstellbare Summen in Militärausgaben Nachrichtendienste Spionagesatteliten und sonstigen technischen Schnickschnack von den Bürgen der betreffenden Ländern finanziert werden und man wird geschätzten 50.000 IS Terroristen oder 3.500 Boko Haram nicht Herr?

    • Klaus Woltron

      Z.B. die islamischen Invasoren haben auf dem Balkan “nachhaltige Veränderungen” hervorgerufen, die indirekt noch vor wenigen Jahzehnten zu Massenmord und Flucht geführt haben. Die Römer sind auch nicht mehr was sie einmal waren, und die Banlieus machen den Franzosen recht wenig Freude. Aber wenns gefällt: Laufenlassen.

  12. Hubert Feichtlbauer

    Danke für die Denkstupser. Ich halte es mit denen, die sagen: Je konkreter wir prophezeien, um so falscher werden die Voraussagen sein. Ich glaube auch nicht, dass Millionen Syrer in den Nachbarstaaten der verlassenen Heimnat schon die Koffer packen für Europa. Sicher dürfte nur sein: Ja, das Gesamtproblem ist noch lange nicht gelöst und letztlich auch wirklich nur lösbar, wennn die Kriegsgründe im mittleren Osten aufgearbeitet werden. Da erwarte ich mir einiges vom Iran Deal, der geradezu blitzartig schon erstaunliche Aktivitäten ausgelöst hat. Nur von den arabischen Geizhälsen rund um Saudiarabien hört man bisher wenig. Die müsste sich die internationale diplomatische Obama-Allianz jetzt dringend vorknöpfen.

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