Sie würden sich wundern … (2)

„Sie werden sich wundern, was alles gehen wird!“ (Norbert Hofer am 21.4.2016)

Er vertrete im Wahlkampf „freiheitliche Positionen und ich werde auch nach der Wahl nicht davon abgehen“, sagt der Kandidat.

Über Soziale Medien ist kürzlich ein besonderes Kapitel dieser Positionen bekannt geworden. Der FPÖ-Parlamentsklub  veröffentlichte, mit Norbert Gerwald Hofer als Herausgeber, ein programmatisches Buch „Für ein freies Österreich“. Verfasst von einem Mitarbeiter des Klubs und Wiener Lokalpolitiker, der sich auch gern als Autor in rechtsextremen Publikationen betätigt.

Eine schwer verdauliche Ansammlung von reaktionären, völkischen bis rechtsextremen Themen und Thesen. Redakteure der ZiB2 haben sich die wirkliche Mühe angetan, die 150 Seiten bräunliches Geschwafel durchzulesen und eine unvollständige Blütenlese von Abstrusitäten zusammenzutragen.

Den Autor des Buches wird das nicht wundern, hat er doch erkannt:

“Speziell das Massenmanipulationsinstrument Fernsehen ist deshalb in den Händen der Profithaie und nicht Volksinteressen vertretender Parteisoldaten die gefährlichste, die tödlichste ‘Massenvernichtungswaffe’”

Die bösen ORFler kommen halt offensichtlich aus einem

“Umfeld, in dem, neben der ‘Ehre’, auch die ‘Treue’ zum Schimpfwort verkommen ist”

Kein Wunder in einer Gesellschaft, deren Familien nicht mehr die guten alten Regeln leben:

„Der vom Thron des Familienoberhaupts gestoßene Mann sehnt sich unverändert nach einer    Partnerin, die, trotz hipper den-Mädels-gehört-die Welt-Journale, in häuslichen Kategorien zu denken imstande ist, deren Brutpflegetrieb auferlegte Selbstverwirklichungsambitionen überragt. Die von feministischem Dekonstruktionsehrgeiz zur selbstverwirklichungsverpflichteten Geburtsscheinmutter umdefinierte Frau sehnt sich unverändert nach einem ganzen Kerl, der ihr alle die emotionalen und ökonomischen Sicherheiten gibt, die eine junge Mutter braucht, um sich mit weitgehend sorgloser Hingabe dem Nachwuchs zuwenden zu können.“

Doch zurück an den Herd reicht nicht. Zurück auf’s Land muss es auch noch es heißen:

„Das Landleben ist zu forcieren! Die Politik hat den Bürgern das bäuerlich inspirierte Landleben schmackhaft zu machen, indem dessen unleugbare Vorzüge hervorgekehrt werden.

Das Stadtleben befördert auch die (gewünschte?) Entmenschung.“

Obwohl auch schon auf dem Land das verderbliche Handeln des herrschenden Systems die Idylle bedroht:

„Es ist kein Zufall, sondern System, wenn jedem kleinsten Dorf heute „seine“ nicht integrierbare Asylanten- oder Flüchtlingsgruppe, als Brückenkopf der kommenden Okkupation, verordnet wird, als unscheinbare Vorhut einer Flut, die, läßt man sie gewähren, eines Tages  alles wegspülen wird,  was unser Land, was uns ausmacht.“

Alles muss sich ändern:

„Andernfalls droht der Kollaps des jetzigen Systems, mit unabsehbaren Folgen, da nichts für eine ‘Auferstehung’ in konstruktiven Rahmen vor- bereitet wurde. Es droht der innere Zerfall der als Völker definierten  Gemeinschaften, es drohen Versorgungsengpässe (Nahrungsmittel, Öl…), es drohen soziale Unruhen und im schlimmsten Fall ein an Brutalität nicht zu überbietender Bürgerkrieg, der unterschiedliche soziale Schichten und Ethnien zu erbitterten Feinden macht bzw. bestehende Feindschaften mit eruptiver Gewalt ausbrechen läßt. Europa wird dann brennen und die Europäer sowie die vielen angepaßten, integrierten, zum beiderseitigen Wohl aufgenommenen Zugewanderten sind das Holz.“

Und das sagt der Kandidat selbst in seinem lobenden Vorwort zu solchen und vielen anderen Unsäglichkeiten in diesem – übrigens aus Steuergeld finanzierten – Machwerk:

„Wenn Sie dieses Buch lesen, werden Sie erkennen, dass die Politik in unserem Land in vielen Bereichen und über Jahrzehnte hinweg die falschen Fragen gestellt hat. Es ist jedoch noch nicht zu spät, um für die Zukunft die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen. Das heißt aber auch, manchmal gegen den Strom zu schwimmen und dem vermeintlichen Mainstream ordentlich eins auszuwischen.“

Als Kandidat ist ihm die öffentliche Diskussion über das Machwerk sichtbar etwas peinlich. Aber:

„Der Inhalt ist insgesamt in Ordnung.“

Als Bundespräsident hätte der Kandidat zahlreiche Möglichkeiten, solche „freiheitliche Positionen“ zu fördern, „die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen“ und „gegen den Strom zu schwimmen“.

Sie würden sich wundern …

 

Kommentare

  1. Lorenz Gallmetzer

    Ja, “Volk-In-Not-Alarm” kann auf fruchtbaren Boden und fallen, wenn die demokratischen Kräfte in Politik, Wirtschaft und Medien der heute weit verbreiteten Verunsicherung keine greifbaren und glaubwürdigen Zukunfts-Antworten zu bieten haben.

  2. HPR

    Wehret den Anfängen! Super, dass derRabl solchen Unfug transparent macht – Danke!

  3. Häschen

    In einer Zeit in der ein Haufen Konsumsozialisten drüber diskutieren, wem von denen die schon nimmer wissen wohin mit dem Finanzvermögen andere die auch nicht wissen wohin damit Teile sollen abgeben, anstatt den jungen Menschen Investitionskapital in ihre Zukunft aufs Konto zu geben. Wir wissen beide, ohne Gegenleistung geht es nicht.

    Meine Streben ist, die Ziele sind ambitioniert, von der Wall-Street das Geld auf die Jugendkonten der Österreicher zurückzuholen.

    Dazu gehört auch der Rabl. Der Herr Rabl saß gemütlich in einer Talk-Show und sagt sinnesgleich, ‘Dann müssen die Jungen eben verzichten …’. Der Herr Rabl wird verzichten – so schaut’s aus.

    watch?v=LtioUV8BI-o
    Rahim Taghizadegan: “Die belogene Generation” (Roland-Baader-Treffen 2016)

    http://www.roland-baader.de/wp-content/uploads/Kreide-fuer-den-Wolf_Roland-Baader2.pdf
    (Kreide für den Wolf, aber nicht dem ORF oder doch auch…).

    Freiheitlich heißt an sich nichts anders mit Bezug auf Wirtschaft, dass jeder in der Marktwirtschaft Kapitalist ist und bleibt. Man kann das auch Sozialdemokratie nennen. Das ist ein anderer Weg zum selben Ziel, aber der von den Sozis geht halt nicht. Ohne Gegenleistung geht nicht, aber dann ordentliche Netto. Die öffentl. Hände können eben viel einfacher auf bestehende hohe Einkommen das Investitionsgeld umverteilen.

    Also müssen die Löhne (weltweit) im Bewirtschaftungsmachanismus selbst rauf.

    Der Weg dahin ist weit und mühseelig. Gelebte Eigenverantwortung heißt sich dem Bösen entgegenstellen. Den Braten haben die Jungen schon lange gerochen … Jetzt ist es an uns den jungen Menschen zu erklären, wie man sich im Kampf gegen Industriekapitalismus selbst das Konto vollräumt. Wir sind in Österreich… nicht bei den E.U. Kommunisten.

    Der Trick bei der Aussage des Norbert Hofer sind die freiheitlich anmutenden Positionen. Die FPÖ stellt sich ja schon gegen die Feinde der offen Gesellschaft.

    Eine Wahl in einer Offen Gesellschaft in Österreich würde sich zwischen

    Heide Schmidt vs. Lacina vs. Rabl vs. Pilz abspielen – zumindest mal von der groben Schlagrichtung her.

    In den Höllenschlund der sich hat geöffnet muss man reinreiten.

    watch?v=mZ6eeAjgSZI

    Ohne dem geht es nicht.

  4. Andrea Hodoschek

    Unfassbar,dass so ein Schmarrn überhaupt als Buch veröffentlicht wird.

  5. wolfgang ullram

    http://derstandard.at/2000022441270/Van-der-Bellen-Notfalls-darf-man-die-Unwahrheit-sagen
    STANDARD: Und im Sinne der europäischen Räson müssen die Regierenden auch lügen? Van der Bellen: Um große Risiken wie das beschriebene zu vermeiden, darf man notfalls die Unwahrheit sagen. –

  6. Kelpoentuct

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